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Unsere Tour planten wir mit:

 

Zwei Schluchten, ein Berg und der Duft von Lavendel

 

„Zur Nesque Schlucht“

 

Wir liesen uns verzaubern vom Flair historischer Städte und Bergdörfer, vom südfranzösischen Lebensgefühl und natürlich vom Duft des Lavendels 

Die Region zwischen Rhône, Mittelmeer und Seealpen ist nicht nur eine jahrtausendealte Kulturlandschaft mit unzähligen Sehenswürdigkeiten und geschichtsträchtigen Städten, sondern auch eine Gegend, die mit den unterschiedlichsten Landschaftsformen beeindruckt.  

Doch zunächst der Reihe nach:   

 

Als Ausgangs- und Endpunkt unserer Tour entschieden wir uns für Carpentras, ein schönes Städtchen unweit von Avignon. Es war ganz schön heiß, als wir unsere Tour starteten. Den Campingplatz in Carpentras können wir nur empfehlen. Sauber, große abgeteilte Parzellen, preisgünstig und das Beste, wir konnten unser Auto unentgeltlich für fast zwei Wochen dort stehen lassen!  

 

Am nächsten Morgen radelten wir dann los. Vorbei an Mazan erreichten wir nach knapp 25 Kilometern Villes-sur-Auzon und waren an der Zufahrt zur Nesque-Schlucht. Wie eine Passstraße in den Alpen radelten wir die D 942 in zahlreichen Kurven durch die beeindruckende Schlucht hinauf. Immer wieder hatten wir tolle Blicke auf die Felsenszenerie der Gorges de la Nesquedie Sonne brannte den ganzen Tag, und die Schlucht bot nur wenig Schatten, den wir dann immer für eine kleine Verschnaufpause aufsuchtenObwohl wir auf einer ganz normalen Straße unterwegs waren, hielt sich der PKW-Verkehr in Grenzen. Den schönsten  Aussichtspunkt in die Schlucht hatten wir kurz vor Monieux. 

 

Während unserer Tour durch die Schlucht konnten wir immer wieder mal auf den Mont Ventoux schauen. Der mystische Berg, der bei vielen Tour de France-Etappen eine Rolle gespielt hat. Am nächsten Tag wollen wir in auch bezwingen, allerdings nicht mit dem Rennrad wie so viele, sondern mit unserem Tourenrad und mit Gepäck!  

Am Nachmittag erreichten wir Sault, das Zentrum des Lavendelanbaus,  das aber auch für weitere Köstlichkeiten wie Honig, Trüffel und Nougat bekannt istAuf dem Campingplatz in Sault trafen wir Stefan aus Frankfurt der ein halbes Jahr durch Südeuropa mit dem Rad unterwegs ist. Wir verbrachten zusammen einen kurzweiligen Abend. 

 

Nun wurde es ernst! Der Mont Ventoux ruft!

 

 

 

 

 

 

Kilometerweit alle Berge überragend beherrscht er die Landschaft. Durch die Lavendelfelder erreichten wir den Fuß des Berges. Nun kam der lange Anstieg. An seinen Hängen schöne grüne Wälder, auf seinem Gipfel eine weiße Steinwüste. Und er ist eine kleine botanische Welt für sich, von Olivenhainen und knorrigem Thymian bis hinauf zu kargen Moosen und Flechten der Schneegrenze. Es gibt drei unterschiedliche Routen um auf den Mont Ventoux zu kommen. Wir entschieden uns für die Strecke über Sault, die durch herrliche Wälder recht moderat mit 5% Steigung zum Chalet-Reynard führt. Dort angekommen hatten wir dann noch 6 Kilometer bis zum Gipfel - die hatten es aber in sich. Im Schnitt 10% Steigung und die letzten 500 m sogar 11% 

 

Jetzt wurden wir vom Berg so richtig gefordert. Die Straße zog sich  schier unendlich in die Länge und während wir uns eine Verschnaufpause gönnten, schauten uns die vorbeifahrenden Rennradfahrer nur ungläubig an. 1951 stand der Mont Ventoux erstmals auf dem Streckenplan der Tour de France. Obwohl er bisher nur 15-mal erklommen wurde, das letzte Mal 2013, gehört er zu den „heiligen Bergen“ der Frankreich-Rundfahrt.  

 

Dann… die Kuppe wurde sichtbar, zum Greifen nahe, mit letzter Kraft krochen wir die letzten 500 m, mit den 11%, hoch. Oben angekommen konnten wie es erst gar nicht fassen! Wir hatten den Mont Ventoux bezwungen, mit Gepäck! Ein großartiges Gefühl. Ein unbeschreiblicher Rundumblick, zu unseren Füßen die Rhône EbeneDiese Etappe war für uns etwas Besonderes, eine Herausforderung, ein Erlebnis. Und trotz aller Anstrengungen, der Berg ist nicht unbezwingbar! Nach dem obligatorischen Finisher-Foto kochten wir uns erst mal einen Kaffee. Den hatten wir uns verdient! 

 

Wir saßen den ganzen Nachmittag am Gipfel und schauten dem regen Treiben zu und genossen unser Glücksgefühl. Gegen 18 Uhr kehrte dann langsam Ruhe am Berg ein. Die Besucher wurden immer weniger. Direkt unter dem Gipfel steht eine kleine Kapelle. Wir schoben unsere Räder dort hin. Aßen zu Abend, wir verzichteten auf das Kochen, den wir wollten nicht auffallen. Unser Plan war nämlich bei der Kapelle unser Zelt aufzubauen und dort die Nacht zu verbringen. Gegen 21 Uhr herrschte totenstille, wir bauten unser Zelt auf, unter uns tobte ein heftiges Gewitter. Bevor wir ins Zelt gingen hatten noch wir Besuch von fünf Gämsen, die sich von uns nicht stören liesen 

Am nächsten Morgen, wir waren schon sehr früh wach, es war nebelig, stürmisch und sehr kühl. Wir zogen alles übereinander an was wir dabei hatten. Gegen 7 Uhr in der Früh machten wir uns wieder auf den Rückweg nach Sault.

 

Dort angekommen genehmigten wir uns ein Frühstück, und da es mittlerweile richtig heiß wurde, zogen wir uns wieder luftiger an. Wir radelten auf ruhigen Straßen durch verschlafene Bergdörfer und Eichenwälder. Ein Dörfchen möchte ich besonders erwähnen Simaine-la-Rotonde. Das Dorf liegt traumhaft an einen Hang geschmiegt mit seinen ineinander verschachtelten HäusernEin Stop der sich für jeden Radfahrer lohnt. In Manosque blieben wir am Campingplatz um dann am nächsten Tag ausgeruht in die Verdon-Schlucht zu starten.

 

Am nächsten Morgen war ich hoch motiviert. Nur noch schnell in Manosque Wasser für den Tag kaufen. Denkste! Wir kauften zwar unser Wasser, ich hatte mich aber dann von der Beschilderung zur A 51 irritieren lassen, so radelten wir 15 Kilometer in Richtung Digne le Bains um dann festzustellen, dass es für Radfahrer besser ist wieder die gleiche Strecke zurück zu radeln. Durch diese Aktion hatten wir fast 3 Stunden verlorenwas mich natürlich sehr geärgert hat. 

 

Bis Valensole mussten wir ganz schön bergauf strampeln. Dafür hatten wir aber kurz vor dem Ort Lavendelfelder satt, wunderbar lila gefärbt, soweit das Auge reichte. Total verzückt pussierten die asiatischen Besucherinnen mitten in den Lavendelbüschen und liesen sich fotografieren. Bis Moustiers-Sainte-Marie ging es ständig rauf und runter. Das von Besuchern Verdonschlucht stets bevölkerte Örtchen hängt wie ein Vogelnest am Hang, ist sehr sehenswert. Wir blieben auf der D 952 und radelten am Nordhang des Canyons entlang.

 

Einmalig! Unvergesslich! Spektakulär!

 

Gorges du Verdon

 

 

 

 

Eine der größten Schlucht Europas, die Gorges du Verdon. Diese Schlucht ist ein unvergessliches Erlebnis. Wo sonst bietet sich ein solch langer Blick in 700 m Tiefe auf einen türkis schimmernden Fluss, eingefasst in gewaltige Kalkfelsen? Gerade für uns Radfahrer war die Fahrt entlang des Abbruchs einmalig. Wir konnten überall anhalten, genossen die spektakuläre Aussicht, trotz des anstrengenden Anstiegs war diese Etappe für uns was ganz besonderes. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus!

Wir blieben an diesem herrlichen Nachmittag in La Pallud-sur-Verdon. Sofort entdeckten wir die urtümliche Bergsteiger-Brasserie Lou. In dieser Brasserie tummeln sich allerhand Profi-Sportkletterer, denn die Schlucht ist immer noch ein begehrtes Kletterziel. Wir bauten unser Zelt auf dem kommunalen Campingplatz im Ort auf. Am nächsten Morgen entschieden wir uns noch einen Tag zu bleiben und radelten, ohne unser Gepäck, die 23 Kilometer lange Route de Crête. Diese Straße muss man einfach fahren! Kurz hinter La Palud geht sie los und endet dort auch wieder. Wir waren der Meinung wir hatten die besten Hotspots der Schlucht schon gesehen, doch das war weit gefehlt. Die Route de Crête setze noch einen drauf. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr raus und unser Fotoapparat stand auf Dauerbetrieb, um die Gänsegeier bei ihrem Gleitflug zu beobachten. Wir waren so beeindruckt, dass wir fast den ganzen Tag brauchten um die 23 Kilometer mit dem Rad zu bewältigen. Am späten Nachmittag genehmigten wir uns noch einen Café au Lait in der Brasserie und am Abend auf dem Campingplatz eine Flasche Wein.  

 

Wir unterhielten uns noch den ganzen Abend vor unserem Zelt über die beiden letzten, für uns sehr beeindruckenden, Tage. Am nächsten Morgen hatten wir einen strahlend blauen Himmel, es war aber noch richtig kalt. Kein Wunder La Palud liegt immerhin auf 900 m über NN. Nach dem Point Sublime führt eine kleine Straße zum Belvédère du Coulior Samson. Einem weiteren tollen Aussichtspunkt, aber nicht nur das. Wir schlossen unsere Räder ab und wanderten ein Stück des Sentier Martel. Das war einfach herrlich! Erst ging es ein Stück entlang des Flusses, dann über Treppenstufen durch 2 Tunnel, einer sogar über 600 m lang. Die kurze Wanderung machte uns so richtig Spaß. Nun aber wieder auf die Fahrräder.

 

Südfrankreich ist einfach herrlich! Wir genossen noch die restlichen Kilometer in der Schlucht und bogen dann auf die D 955 ab um nach Draguignan zu kommen. Die Nacht auf dem Campingplatz hat uns so richtig Angst eingeflößt. Das Gewitter, das wir hier erlebten lies uns den Atem stocken. Die Zeltwiese stand 20 Zentimeter unter Wasser, die Blitze schossen direkt neben uns zu Boden, es war so hell, als hätten wir eine 1000 Watt Lampe im Zelt an. In dieser Nacht hatte ich so richtig Angst. Wir waren erleichtert als das Gewitter nach 3 Stunden endlich vorbei war. Langsam schloss sich der Kreis, leider waren wir schon wieder Richtung Carpentras unterwegs. Landschaftlich war diese Region sehr reizvoll. ausgedehnte Weinberge dazwischen kleine Eichenwälder, verschlafene Dörfer und die schroffen, weißen Kalksteinfelsen der Montagne Saints-Victoire. Wir näherten uns Aix-en-Provence und hatten unsere liebe Not, ohne Stadtplan nur mit einer Skizze in der Hand, die Stadt auf der für uns richtigen Straße zu durchqueren. Nach mehrmaligen Fragen und 2 stündiger Suche hatten wir es dann endlich geschafft. 

 

Endlich ging es wieder geruhsam weiter und die ganze Zeit gab es was zu sehen. Halb wilde Vegetation, den Pont Julien, eine alte römische Brücke die Teil der Via Domitia war, das reizende Dörfchen Bonnieux, dessen Häuser steil den Hang hinauf gebaut sind, bis Roussillon mit seinen Ockerfelsen. Dieser Ort ist sehr touristisch hat aber trotzdem seinen Charme nicht verloren. Wir waren mitten im Parc Naturel du Luberon, der viele Besucher zum Wandern und Kräutersammeln einlädt. In Roussillon entschieden wir uns direkt über die D 4 nach Carpentras zu radeln. Wir dachten nun ist es vorbei mit der Beschaulichkeit und hatten mit viel Verkehr gerechnet. Ganz im Gegenteil, wir waren fast alleine auf der Straße unterwegs. In Murs machten wir dann nochmal Mittagspause, danach erklommen wir ein letztes Mal den gleichnamigen Berg, der uns auf 624 m über NN hinauftrug. Danach kam eine lange Abfahrt durch eine erneut tolle Landschaft, die Straße windete sich in Serpentinen bergab, bis Carpentras. Am Nachmittag waren wir dann wieder am Campingplatz und unser Auto war auch noch da.

 

Diesmal sind wir zwar nur knapp 600 Kilometer geradelt, die aber uns richtig gefordert hatten. Landschaftlich war diese Tour für uns ein absolutes Highlight!  Einfach toll!

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