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Unsere Tour planten wir mit:

Von Flensburg, über die Nordsee, an den Limfjord 

 

Gott sei Dank sind wir heute Abend in Tonder !!!


Doch zunächst eins nach dem Anderen. Nach getaner Sonntagsarbeit starteten wir um 13 Uhr, alles war an Bord, und fuhren mit dem Auto Richtung Jütland, ca. 6 Stunden Fahrzeit und knapp 600 Kilometer. Wir entschieden uns in Krusa am Campingplatz zu bleiben, schauten noch am Abend nach einer geeigneten Parkmöglichkeit. Schließlich haben wir ca. 3 Wochen für unsere Jütland-Tour geplant. Tipp: Kurz vor der deutschen Grenze ist die Touristeninformation, dort gibt es gebührenfreie Parkplätze in aus-reichender Menge, natürlich auch für unser Auto.

Am Montag früh wollten wir voller Energie losradeln, Claus nahm die Fahrräder vom Autodach und da passierte es. Eine Schraube an seiner Sattelstütze war gerissen, der Sattel nur noch an einer Stelle fest. Was nun? Nach kurzer Überlegung ging es erst einmal ins 10 Kilometer entfernte Flensburg zu einem Fahrradladen. Dort anbekommen wollte dieser uns aber keine Schraube mit der Begründung verkaufen, dass er keine Originalschraube von Koga habe und eine andere Schraube könnte ebenfalls reißen und er dann eines Unfalles wegen haftbar gemacht werden. Nun gut. Unsere Frage nach einer neuen Sattelstütze lief leider auch ins Leere, denn ausgerechnet eine mit dem benötigten Durchmesser hatte er auch nicht auf Lager, und es war wirklich kein kleines Fahrradgeschäft. Er empfahl uns in irgendein Autohaus zu fahren um uns die passende Schraube zu besorgen. Inzwischen regnete es in Strömen und ich hatte jetzt schon, obwohl wir noch gar nicht losgelegt hatten, die Schnauze voll. Aber wir hatten Glück, das Honda-Autohaus in Flensburg war unsere Rettung. Wir kauften zwei Schrauben, liehen uns noch einen Gabelschlüssel dazu, und keine 10 Minuten später konnten wir dann endlich aufbrechen, und von der Ostsee an die Nordsee radeln. Der Regen hörte wieder auf, die Sonne zeigte sich, und der Ärger war schon wieder verflogen. Eigentlich ist es nur 66 Kilometer von Krusa nach Tonder, aber durch unseren kleinen Umweg nach Flensburg, und der Suchaktion, wurden dann am Abend doch noch 86 Kilometer daraus. Das reichte uns auch für diesen Tag.

 

Welch ein tolles Radelwetter! Nacht’s war es zwar kalt, aber morgens kam die Sonne raus und wir hatten sehr angenehme Temperaturen. Das Städtchen Tonder ist wirklich sehr schön. Die Innenstadt wird durch alte Patrizierhäuser geprägt, und im Nachbarort Mogeltonder steht das Schloss Schackenborg, einst bischöfliche Burg, wird es heute vom dänischen Prinzen Joachim mit seiner Familie bewohnt. Am Nachmittag sind wir dann bei Emmerlev Klev an der Nordsee, und genießen den Blick auf das entfernte Sylt bei einer frisch gebrühten Tasse Kaffee. Ab hier ist dann auch die Vestkystenroute ausgeschildert und man braucht einfach nur den Schildern zu folgen. Bis kurz vor Ribe radelten wir immer parallel des Nordseedeiches, welcher sehr intensiv landwirtschaftlich genutzt wird. Ich hatte dann aufgehört die Gatter zu zählen, die wir auf und zu machen mussten und die die Tiere der einzelnen Bauern voneinander trennen. Wenn man auf der Halbinsel Jütland ist, ist der Besuch in Ribe ein Muss. Es ist die älteste Stadt Dänemarks, hat ca. 8100 Einwohner und ist mit seiner mittelalterlichen Anlage eine der schönsten Dänemarks. Alles ist sauber, morgens wird sogar das Kopfsteinpflaster auf der Straße mit einer Seifenlauge geschrubbt. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich, wir radelten durch Klitplantagen, Heidelandschaften, und obwohl Jütland sehr intensiv landwirtschaftlich genutzt wird, gefiel es uns sehr gut hier. Am Strand von Saeding, unweit von Esbjerg, durch die gute Radbeschilderung kamen wir unkompliziert durch die Stadt, steht die 9 Meter hohe Monumentalskulpur „ Der Mensch am Meer“. Sie schildert den Menschen, der sich der mächtigen Natur gegenübersteht – fasziniert von der Schöpfung und selbst ein Meisterwerk. Wir radelten auf eine Nehrung, auf den ganzen 35 Kilometern stand eine Ferienwohnung nach der anderen, und nur deutsche Autokennzeichen. Bei Oksbol geht  der Radweg durch einen dänischen Truppenübungsplatz, wir hatten viel Spaß durchzufahren, denn ich kam mir vor wie auf einem Cross Country Rennen. Am Abend blieben wir in Torsminde. Dieses Örtchen liegt mitten auf der Nehrung, links der Nordseedeich, rechts die Nissum Bucht, also der Limfjord. Der Campingplatz ist beliebt bei den Surfern und Kitern, denn der Teil zum Limfjord wird zahlreich von den Windjunkies frequentiert. Einziger Nachteil, wir wurden von den Stechmücken fast gefressen und hatten kein Insektenspray dabei. 


Der Limfjord, Skagen und die Ostsee. 

 

Mittlerweile waren wir fast eine Woche unterwegs und radelten um den Limfjord. Der Limfjord mit seinen unzähligen malerischen Buchten verbindet die offene Nordsee mit der ruhigen Ostsee. Steilufer, Heideflächen und verschlafenen Dörfer. Das Wetter wurde wechselhafter, zum Teil mit Regen. Wir erreichten Lemvig gerade richtig zur Mittagszeit, im Hafen genehmigten wir uns einen Fischburger und ein Fischsandwich - lecker! Wer glaubt, Jütland sei flach wie eine Flunder, der irrt! Das ist an der Nordseeküste so, aber wer den Limfjord entlang radeln will, der übrigens ebenfalls hervorragend ausgeschildert und als Radroute Nr. 12 gekennzeichnet ist, der muss sich auf kurze knackige Steigungen einstellen. Wie schon im Wetterbericht angekündigt, hatte uns tatsächlich heftiger Regen den Tag vermiest. Teilweise war die Streckenführung wild romantisch, am Nachmittag machten wir in einem Buswartehäuschen Vesperpause. Es schüttete von 11 bis 16 Uhr, zum Glück kam dann am späten Nachmittag nochmal die Sonne raus, so wurden auf natürliche Weise unsere Regenklamotten wieder trocken. Im Dörfchen Asted fanden wir unseren ersten Naturlagerplatz. Es war zwar erst 17 Uhr, aber das Plätzchen ist so nett, dass wir uns entschieden hier zu bleiben. Abends wurden wir von den Anwohnern zu einer Straßenparty eingeladen, da die Dänen sehr trinkfest sind floss das Bier in Strömen.

Trotz des feucht fröhlichen Abends waren wir am nächsten Morgen fit und radelten weiter. Mit der Fähre ging’s von Sundsore nach Hvalpsund. Heute hatten wir das erste Mal so richtig Gegenwind, das Wetter war durchwachsen. Die Strecke führte uns teils direkt am Limfjord entlang, bei Lendrup Huse stehen zwei alte Kanalhäuser, bis ins 5 Kilometer entfernten Logstor radelten wir am Kanal entlang, der heute ein Idyll für Vögel, Pflanzen und Menschen dar stellt. Als wir in Aggersund unsere Räder über die Brücke schieben mussten, weil es schon richtig stürmisch war, entdeckten wir einen Seehund mitten im Limfjord, wir hatten Glück und konnten ihn sogar fotografieren. Unser heutige Tagesziel war der Campingplatz in Svinklov, wo wir wieder am der Nordseeküste waren. Am Campingplatz angekommen, wuschen wir unsere Wäsche, aßen währenddessen zu Abend, und am nächsten Tag stand dann Skagen als Highlight auf dem Programm. Das wechselhafte, regnerische Wetter war endlich vorbei und wir können uns, laut Wetterbericht, auf eine sonnige Woche freuen. Wieder ging es durch herrliche Heidelandschaft, tolle Dünen manchmal kletterten wir auf die Dünen um die tollen Sandstrände der Nordsee zu genießen.  

Die Radwegschilder führten uns in Blokhus direkt an den Sandstrand. Ganze 15 Kilometer bis Lokken radelten direkt neben, ja man konnte schon fast behaupten auf der Nordsee, ein echter Traum. Was uns allerdings erstaunte war, dass die Autos auch darauf fahren dürfen! Da uns der tolle Sandstand in seinen Bann zog und wir fast den ganzen Nachmittag dort verbrachten, verschoben wir Skagen auf den nächsten Tag. Wir hatten ja keine Eile. In der Tonby Klitplantage schliefen wir wieder auf einem Naturzeltplatz, es ist ein super Gefühl so ganz alleine für uns, wir hörten nicht einmal Waldtiere. Am nächsten Morgen sahen wir einen Fuchs, doch bevor wir die Kamera zücken konnten war er schon wieder weg. Umgeben von Dünen- und Heidelandschaft saßen wir in Skagen, das wiederum von der Nord- und Ostsee eingerahmt wird  - dem Skagerrak und Kattegat - die sich an der Spitze von Grenen vereinigen, wir machten eine kleine Pause tranken dort einen frisch gebrühten Kaffee und aßen den am Vormittag gekauften Rhabarberkuchen, denn wir hatten unseren Hochzeitstag.  In Skagen beginnt auch der Radweg Nr. 5, der in Dänemark auch Ostkystenroute heißt. Die Strecke zwischen Hulsig und Frederikshavn führt direkt an der Bundesstraße entlang, manchmal sahen wir die Ostsee. Von Frederikshavn aus gehen wichtige Fährverbindungen übers  Kattegat, die Stadt selbst war für uns nicht so interessant.  Wir radelten weiter bis Hou, direkt immer an der Ostsee entlang. Das Dörfchen Voesa ist recht idyllisch, am gleichnamigen Flüsschen legten wir eine Verschnaufpause ein. Nach 100 Radelkilometer blieben wir am Campingplatz, duschten mal wieder und liesen den Abend ausklingen. Der Radweg führte uns etwas Landeinwärts, am Anfang nicht einfach zu radeln. Offroad in Dänemark ist nicht immer ein Segen, viel Kies zum Teil versandet, wir mussten ganz schön aufpassen um nicht auf die Nase zu fallen. Dafür kamen wir an prächtigen Herrschaftshäuser  und herrlichen Badeseen vorbei.

Über den Heerweg zurück zum Auto

 

Die Stadt Randers war mir zu hektisch, um an den Campingplatz zu kommen, ging’s durch die ganze Stadt, in einer rauschenden Abfahrt. In Randers trafen wir auf den Radweg Nr. 2, den wir bis nach Viborg folgen wollen. Denn in Viborg geht unser letzter Teilabschnitt, der Heerweg los. Ein alter Handels- und Pilgerweg der uns zurück nach Krusa führen soll.

Heute waren wir sehr gut gelaunt. In der Bäckerei kauften wir unser Brot, denn andere Lebensmittiel hatten wir noch genügend dabei. Um aus Randers wieder raus zu kommen, mussten wir kräftig in die Pedale treten, denn es ging wieder bergauf. Die 52 Kilometer bis Viborg vergingen wie im Flug, radelten durch kleine Ortschaften oder auf dem Radweg parallel der Bundesstraße. Viborg markierte schon früh einen Verkehrsknotenpunkt, aus allen Himmelsrichtungen trafen sich die Handelswege in der Stadt, und setzen sich fort im sogenannten Ochsenweg bis zur deutsch-dänischen Grenze und weiter durch Schleswig-Holstein bis nach Hamburg.

Unweit von Hald Ege liegt der alte Herrensitz Hald Hovedgaard, der von Friedrich Schinkel erbaut wurde, direkt am See Hald So. Im Naturschutzgebiet Dollerup Bakker, rund um den Hald So, entdeckten wir einen herrlichen Naturlagerplatz. Es war zwar erst 16 Uhr und unser Tacho zeigte für heute auch erst 70 Kilometer, aber der Platz gefiel uns sehr gut. Wir bauten das Zelt auf, ich ergänzte unser Tagebuch um die heutige Etappe, kamen 9 junge Leute ebenfalls auf den Platz. Das kann ja heiter werden! Max, offensichtlich ihr Guide, ist sehr Outdoor erfahren. Die Mädchen sammelten Holz, Max und die Jungs bauten das Mannschaftszelt auf, dann wurde fachmännisch das Lagerfeuer entfacht,  bevor sie im See ein Bad nahmen. In der Zwischenzeit wechselten wir, in weiser Voraussicht das es heute Nacht etwas lauter werden würde, unseren Standort. Wie gewohnt waren wir, nach einer recht lautstarken Nacht, um 6 Uhr wieder wach. Wir bauten das Zelt ab, und als wie frühstücken wollten regnete es aus allen Kannen. Der dichte Wald gab uns etwas Regenschutz. Im benachbarten Thorning gingen wir einkaufen, bis alles umgefüllt und eingepackt war brauchten wir eine geschlagene Stunde. Jetzt aber auf Rad und los. Die heutige Etappe hatte es in sich. Ein ständiges auf und ab, zum Teil rauschende Abfahrten aber dann sofort wieder heftige Steigungen. Und das mit meinen vollgepackten Radtaschen! Zum Glück war es tagsüber nicht mehr so heiß wie die Woche zuvor. Am frühen Abend kündigte sich ein Gewitter an. Kurz vor Givskud steht ein neu gebauter Shelter, ich schaute kurz zum Himmel und wir waren überzeugt, dass es besser ist hier zu bleiben. Um uns herum tobten 4 Gewitter gleichzeitig, 2 Stunden lang es regnete in Strömen,  der Donner war so laut, dass ich manchmal zusammen zuckte.

Jetzt sind es nur noch 160 Kilometer bis Krusa, dem Ende unserer Rundtour auf Jütland. Am vorletzten Tag lief es wie am Schnürchen. Viel Asphalt, ruhige Nebenstraßen, kein Gegenwind. Wir fahren durch kleinere Waldstücke und wir genoßen die herrliche Ruhe. In Vojens kauften wir nochmal Wasser, denn wir wollten auf dem Naturzeltplatz direkt an der Immervad Bro bleiben. Sie ist die erste der insgesamt drei Steinbrücken, die auf dem Heerweg passiert werden. Am Heerweg galt:

„ Keine Brücke ohne Gasthaus „. Der alte Heerwegskrug vom Immervad war berühmt für seine Erbensuppe mit Speck, heute ist es ein Bauernhof. Gegenüber ist der Naturzeltplatz, darauf stehen auch einige Holzskupturen, die die unterschiedlichsten Reisenden auf dem Heerweg darstellen: Bauern, Soldaten, Viehtreiber. Ich fand es ganz nett hier, doch Claus fühlte sich durch den Bauernhof etwas beobachtet. Auf den letzten Kilometer bis zur deutsch-dänischen Grenze befinden sich auf dem Heerweg die ältesten Sehenswürdigkeiten. Außer den Steinbrücken Polvs Bro und Geljabro, die wir auch passierten, seht am Wegesrand ein Runenstein, und das Waldstück durch die Bommerlund Plantage hatte uns auch sehr gut gefallen. Die 20 Kilometer zwischen Arslev und Kiplev hätten wir gerne darauf verzichtet, denn diese waren wieder Offroad und sehr anstrengend. In Krusa angekommen stand unser Auto ganz unversehrt auf dem Parkplatz. Bis alles eingepackt war, und die Räder wieder auf dem Dachständer verzurrt waren, wurden wir dann noch mal so richtig nass. Aber egal wir waren glücklich und zufrieden mit unserer Tour. Nach 1281 Kilometer und genau 14 Tagen beendeten wir unsere Rundtour. Landschaftlich war die Tour sehr abwechslungsreich. Was ich überhaupt nicht vermutet hätte ist, dass die Nordsee tolle Sandstrände und eine herrliche Dünen- und Heidelandschaft hat, das hätte ich eigentlich an der Ostsee vermutet. Die Dänen sind ein sehr kontaktfreudiges Völkchen und immer für einen Smalltalk zu haben.


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