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Unsere Wanderungen planten wir mit:

Quattro Stazione

Flandern-Runde:

Unsere ursprüngliche Planung war, in zwei Wochen die Flandern-Runde zu radeln und von zu Hause aus zu starten. Wir hatten beide einen arbeitsfreien Samstag genommen und waren um 8 Uhr auf dem Rad in Richtung Düren. Das Wetter war passabel, nur der Gegenwind quälte uns ein wenig. Unser heutiges Ziel: Effeld, kurz vor der holländischen Grenze. Die herrliche Ruhe die wir entlang der Rur zu dieser frühen Jahreszeit hatten, begeisterte uns. Wir sahen einen schwarzen Schwan, und jede Menge, von Bibern angefressener Bäume, nur die Nager bekamen wir nicht zu Gesicht. Auf dem Campingplatz in Effeld bauten wir unser Zelt direkt am Waldsee auf. Da wenige Camper auf dem Platz waren gingen wir von einer ruhigen Nacht aus. Dies sollte leider nicht in Erfüllung gehen, da einige Wohnmobilisten der Meinung waren eine Party bis in die frühen Morgenstunden veranstalten zu müssen, das war natürlich weniger schön.

In der Nacht war es richtig kalt! Am nächsten Morgen froren wir uns beim Zeltabbau den Allerwertesten ab. Von Vlodrop aus hangelten wir uns von Dorf zu Dorf nach Maaseik bis wir Belgien erreichten. Was uns sofort auffiel war, dass die holländischen Städtchen Picobello sauber, die Radwege sehr großzügig angelegt und vorbildlich ausgeschildert sind. Claus war den ganzen Vormittag nur schlecht drauf, radelte mit riesigem Abstand hinter mir her und hatte anscheinend die Lust an diesem Tag verloren. 

Dazu kam, dass er sich eine riesige Blasen am Allerwertesten eingefangen hatte die ihn so richtig plagte. Wir blieben die Nacht auf dem Campingplatz in Lanaken, kurz vor Maastricht. Wir hatten eine sehr ruhige Nacht und holten den fehlenden Schlaf von der Nacht zuvor nach. Morgens war es so kalt, dass sogar auf den Radtaschen eine Eisschicht war, unser Zelt war steif gefroren. Wir entschieden uns in Maastricht Zugfahrkarten nach Köln zu kaufen um nach Hause zu fahren. Obwohl wir drei mal umsteigen mussten, klappte das perfekt, keine lästige Schlepperei, es waren entweder Aufzüge vorhanden, oder wir hatten auf dem gleichen Gleis unseren Anschluss.

 

Zelten in Heimbach:

Zuhause angekommen, Claus radelte die Strecke von Köln nach Gleuel im Wiegetritt verstauten wir zuerst unsere Radtaschen . Als wir die Räder wieder in den Keller schaffen wollten bemerkten wir den Grund des Übels: An der Bremse war die Rückholfeder gebrochen und das ganze Hinterrad blockierte. Bei einer Tasse Kaffee beratschlagten wir wie es weiter geht. Zu Hause bleiben wollten wir nicht, die Wahl fiel auf Heimbach in der Eifel, genauer gesagt der Zeltplatz auf dem Gut Habersauel. Das Wetter war herrlich und wir hatten gute Stimmung, schnell war unser Auto mit dem großen Zelt und dem restlichen Equipment beladen, los gings. Dort angekommen bauten wir unser Zelt auf, ich war erstaunt wie schnell wir waren, alles ging Hand in Hand. Am nächsten Morgen packten wir meinen kleinen 16 L Rucksack, was da alles rein ging war echt erstaunlich. Pünktlich um 10 Uhr standen wir vor der Nationalparkverwaltung, kauften uns eine Wanderkarte für die Klosterrunde und marschierten los. Zeitweise ging es ganz schön den Berg hoch, dennoch machte es uns viel Spaß. Gleich am Anfang kam uns eine dreißig köpfige Wandergruppe entgegen, ansonsten waren wir alleine unterwegs. Am Kloster Marienwald genehmigten wir uns die bekannte Erbsensuppe und tranken auch ein Trappistenbier, das hatte es ganz schön in sich. Zurück nach Heimbach wanderten wir durch eine kleine Schlucht mit altem Baumbestand. Claus fand richtig gefallen am Wandern, worüber ich mich besonders freute.

Am Mittwoch fuhren wir mit dem Auto ins Hohe Venn, Ausgangspunkt unserer Wanderung war der Signale de Botrange, ein Aussichtsturm beim dem die Heidelandschaft und das Moor beginnt. Hinweistafeln schildert, dass hier früher Torf abgebaut wurde. Die Wanderung hatte uns sehr gut gefallen, die Landschaft empfanden wir als sehr abwechslungsreich, auch wenn es auf den ersten Blick nicht den Anschein machte. Über lange Holzstege wanderten wir über die Moorlandschaft. Am Nachmittag waren wieder an unserem Zelt, bei strahlenden Sonnenschein öffneten wir das erste Mal unsere Zeltfront und genossen, bei einer Tasse frisch gebrühten Kaffee, die Nachmittagssonne. Wir beschlossen am nächsten Morgen nach Kitzbühel zu fahren.

Hotspot - Kitzbühel:

Ganz diszipliniert bauten wir am Donnerstag das Zelt ab, verstauten alles im Auto und waren um 10 Uhr schon auf dem Weg nach Kitzbühel. Das Wetter war super, ebenfalls unsere Laune. Auf der Hinfahrt machten wir Mittagspause in unserer alten Heimat. Zum Glück hatten wir keinen Stau. In Kitzbühel, direkt am Schwarzsee, fanden wir auch einen Zeltplatz, eine Nacht kostete genau soviel wie die drei Nächte zuvor in Heimbach, das ist halt Kitzbühel. Zu dieser frühen Jahreszeit war schon einiges im Städtchen los. Ich möchte nicht wissen, wie es dann abgeht wenn der Skizirkus voll am Laufen ist. Denn der Ort ist in aller Welt bekannt durch das jährliche Weltcup Ski-Rennen, das auf der berühmt berüchtigten Streif stattfindet. 

Es ist erstaunlich welche bekannten Leute aus Kitzbühel kommen: Toni Sailer, Peter Aufschnaiter, Hansi Hinterseer um nur einige zu nennen. In der Touristinformation holten wir uns eine Karte für einige Winterwanderungen, leider gab es für die Wettervorhersage keine gute Aussichten, das Wetter sollte die nächsten Tage viel schlechter werden. Deshalb entschieden wir uns noch am Nachmittag mit der Hahnenkammbahn zur Bergstation, auf 1685 mtr. zu fahren. Oben war tolles Wetter, es war total Windstill. Es lag immer noch genügend Schnee, um Ski zu fahren. Zum Glück hatten wir unsere Wanderstöcke dabei und kamen dadurch halbwegs sicher über die Schneefelder bis nach Hochbrunn. An einer kleine Kapelle machten wir Mittagspause. Von oben hatten wir einen fantastischen Ausblick über die Bergwelt hinüber zum Kitzbüheler Horn. Etwas schade fanden wir, das überhaupt keine Tiere zu sehen waren, liegt wohl daran, dass es sehr unruhig ist, denn neben der Fleckalmbahn steht ein riesiges Hotel, vor dem ein riesiger Schneeberg mit Styropor und Folie für die nächste Wintersaison verpackt wurde. Am späten Nachmittag fuhren wir mit der Seilbahn wieder ins Tal, das Wetter hatte sich verschlechtert, zurück am Zeltplatz beratschlagten wir unser nächstes Ziel, denn wir wollten ja immer auf der Sonnenseite bleiben. Da wir schon in Tirol waren, viel die Wahl auf Riva del Garda. 

Lago di Garda:

Ich freute mich schon so richtig auf den Gardasee! Wir fuhren in Rovereto Süd von der Autobahn ab in Richtung Riva. In Torbole angekommen hielten wir gleich am ersten Zeltplatz, der auch unseren Vorstellungen entsprach, mit direkten Seezugang. Wir bauten unser großes Zelt auf, mittlerweile hatten wir so richtig Routine, zu Glück war unser Stellplatz groß genug, das unser Auto auch noch dazu passte. Wir unternahmen eine kleine Rundtour durchs Städtchen, welches fest in der Hand der von Surfern- und Montainbikern ist. In der Touristinfo kauften wir uns ein Wanderbuch, am nächsten Tag machten wir eine kleine Einführungsrunde. Am Morgen packten wir unseren Rucksack und starteten ins Hinterland von Torbole zu den Toteislöchern. Diese entstanden vor ca. 70000 Jahren durch die Eiszeit. Die Strecke war einfach herrlich! Olivenhaine, Felsen und tolle Ausblicke auf den Gardasee. Wieder zurück am Zeltplatz war mittlerweile so viel Wind, dass es richtig Spaß machte den Surfern zu zuschauen. 

Am nächsten Tag wanderten wir durch das Ponaletal zum Ledrosee. Zunächst ging's nach Riva, entlang der ganzen Uferpromenade. Ein wirklich schöner Ort, und es war schon in aller Herrgottsfrühe richtig viel los. Der Einstieg der Wanderung ist am Wasserkraftwerk kurz vor dem Autotunnels. Wir kamen uns vor als wären wir auf dem Bike-Marathon und dem Jakobsweg gleichzeitig, auf der Tour war die Hölle los. Plötzlich kam der ganze Tross ins Stocken, eine Prozession blockierte den Weg. Mittlerweile war es heiß und die Sonne knallte von oben herunter. Schnell kamen wir immer höher und nach jeder Kurve hatten wir eine andere Perspektive auf den Gardasee, der sich wie ein Fjord zwischen die Berge presst. Wir konnten weit ins Hinterland von Riva schauen, dazu das herrliche Bergpanorama. Kurz hinter dem Restaurant Belvedere, führte uns der Weg steil hinauf in den Wald der uns angenehmen Schatten spendete. Wir wanderten durch das herrliche Ponaletal, entlang des gleichnamigen Flusses bis zum Ledrosee. Bei dem Pfahlbaumuseum am See machten wir Mittagspause, es war richtig windig und kühl, so richtig unangenehm. Schnell machten uns auf den Rückweg. Nach 32 Kilometer Fußmarsch schliefen wir richtig gut und wachten erst um 7:30 h, am nächsten Morgen auf. Recht spät für unsere Verhältnisse.

 

Wir ließen den Tag ruhig angehen und machten nur eine Runde um den Monte Brione, dem Hausberg von Riva. Einige der schönsten Wanderrunden verdanken ihre Existenz dem ersten Weltkrieg, denn es sind ehemalige Militärwege an der damals heiß umkämpften Grenzlinie zwischen Österreich und Italien. Auf unserer Rundtour kamen wir auch an etlichen Forts vorbei, einige waren schon verfallen und überwuchert, an diesem Tag waren wir alleine unterwegs. Am Ende der Wanderung kamen wir durch einen großen Olivenhain bevor wir Torbole erreichten. Am Nachmittag gingen wir zum Einkaufen, danach saßen wir zufrieden an unserem Zelt und tranken unseren frisch gebrühten Kaffee. Gegen Abend fing es in strömen an zu regnen, und hörte erst am nächsten Morgen wieder auf. Eigentlich wollten wir mit dem Auto nach Limone fahren und eine größere Runde laufen, aber wir entschieden uns, bei dem unbeständigen Wetter, für die Panoramatour rund um Torbole. Den ersten Teil der Runde bis Nago wanderten wir bereits am Sonntag, über die alte Römerstraße Strada Lucia, ehe wir im Zickzack einem alten Militärpfad folgten der heute „Sentiero de la pace“ heißt. Die Tour ging durch spektakuläre Felsspalten am Bergkamm entlang. 

Das Wetter wurde schlechter es fing an zu regnen, zwischendurch hagelte es sogar und die Temperatur ging in den Keller. Der Weg war sehr gut beschrieben, dennoch kam ich ins zweifeln ob wir auch richtig waren, denn wir liefen lange Zeit in Richtung Süden ohne den See wieder zu erreichen. Die Aussicht war gigantisch! Gegenüber entdeckten wir die Dörfer, kurz vor den Ledrosee, die wir zwei Tage zuvor durchwanderten.  Beinahe wäre ich auf ein wunderschönes Exemplar eines Salamanders getreten, der vor Kälte erstarrt auf dem schmalen Pfad saß. Endlich ging es in Serpentinen bergab, wir wussten endlich, dass wir richtig waren, denn zwischenzeitlich war ich am zweifeln. Aber das tollste kam zum Schluss! Das Teilstück "Parco Busatte - Tempeste". Eine Stunde lang tolle Aussichten über Stahltreppen, die spektakulär direkt an die  Felswand bebaut wurden. Einfach genial! Kurz vor Torbole kamen wir an einem riesigen Moränenfeld vorbei, ziemlich ausgefroren, aber zequipmentufrieden nahmen wir dann am Zeltplatz eine heiße Dusche. Gegen Abend ließ sich die Sonne auch wieder blicken. 

 

Unsere Abschlusstour ging mit dem Schiff von Torbole nach Limone. Das Städtchen erhielt erst sehr spät eine Straßenanbindung und ist seither einer der beliebtesten Orte am See. Unsere Wanderung, eine kurze Tour für Land-schaftsgenießer, führte uns zunächst am Ufer entlang, dann am Sentiero del Sole gingen die Steigungen los. Mit schönen Ausblicken über den Gardasee wurden die Anstrengungen belohnt.  Zurück im Städtchen wimmelte es nur so von Tagestouristen, die hauptsächlich die Restaurants, Cafes und die Souvenierläden bevölkerten. Ganz originell fanden wir einen Lebensmittelladen mit regionalen Spezialitäten, der sich ganz dem Thema Limone gewidmet hat. Denn um die Limone dreht sich alles in dem Städtchen, nur ganz wenige Bauern pflanzen die Bäumchen noch an, da dies sehr aufwendig ist. Auf der Rückfahrt hatten wir einen tollen Blick auf den Monte Brione. Zurück am Zelt grillten wir ein letztes Mal, räumten dann unser Equipment zusammen und tranken am Abend, zum Ausklang, eine Flasche Wein. Schweren Herzens bauten wir am nächsten Morgen unser Zelt wieder ab. Unsere Frühlingstour hatte eine positive Wendung genommen, denn unser Motto ist jetzt wirklich "ruhiger treten" und "draußen leben".

 

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